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Ich blicke den Gang hinab und verschaffe mir Orientierung. Rechts und links Kabinentür an Kabinentür. Hier hinab muss es zu Kabine 33 gehen, vermute ich, da erkenne ich ganz am Ende der Röhre eine Gestalt, die äußerst merkwürdig aussieht: wie ein sehr bulliger, buckliger Mensch. Gekrümmt. Klobig. Untersetzt. Als meine Augen es endlich besser fokussieren können auf die Entfernung, erstarre ich. Das sieht nicht aus wie ein Mensch. Eher wie ein Gnom. Hat keine Kleidung an. Die Haut ist tiefdunkel, moorfarben, wie morsches Holz. Die Augen sind im Vergleich zum Kopf extrem groß, glotzen mich an. Eine knollige Nase nimmt die Hälfte des Gesichts ein und ein Büschel krauser grauer Haare hängt über die Wange bis hinab zu der grinsenden Fratze. 

Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, das ist ein… Ja, genau, aber… 

Mir wird schwindelig. Meine Beine werden buttern, die Haut zu Wachs. Ich verliere den Verstand: Das ist ein Troll! 

In diesem Moment fängt die Gestalt wie irre an zu kreischen und läuft los. Der Troll rennt brüllend den Gang herab auf mich zu! Nach drei endlosen Schocksekunden, in denen ich angefroren dastehe, wirbele ich herum und stürze endlich los und in Richtung meiner Kabine. Doch der Troll ist schon wenige Momente später schon fast hinter mir. Wie geht das, mit seinen kurzen Beinen?! Noch circa 50 Meter bis zur Kabine 33! Da spüre ich zum ersten Mal seine scharfen Krallen, die meine Waden zerkratzen. Es stinkt plötzlich entsetzlich. Wie Pferdemist. Der Troll packt nach meinem Bein, aber ich kann mich von ihm reißen. Seine Krallen fühlen sich an wie die Zähne eines Jagdhundes, der sich in sein Hetzwild verbeisst. 

Noch vielleicht zehn Meter bis zur Kabine. Meine Lunge brennt und der Troll kreischt hinter mir wie ein wildes, blutrünstiges Tier und erwischt mich, wirft mich zu Boden. Er versucht über mich zu kommen, fletscht seine schwarzen Zähne, die spitz sind wie die eines weißen Haies.

Ich wehre mich verzweifelt, erwische ihn mit einem Schlag im Gesicht und er ist einen Moment benommen. Das genügt, um ihn mit dem Fuss von mir zu treten und sein hässlicher Körper fliegt gegen die Bordwand und schlägt schlapp wie ein Sandsack auf dem Boden auf. 

In Panik springe ich auf, renne weiter, höre hinter mir ein wütendes Brüllen, drehe mich aber nicht um, sondern biege um die Ecke und erreiche die Kabinentür. Ich reiße den goldenen Schlüssel heraus und zittere ihn ins Schloss und in diesem Moment biegt der Troll um die Ecke und wirft sich mit irrem Blick und ohrenbetäubendem Geschrei auf mich. 

Er greift nach meinem Bein und beißt sich in mein Bein. Ich schreie auf vor Schmerz, dann springt die Kabinentür endlich auf und ich stürze quasi mit der Tür in die Kabine, der Troll beinahe hinter mir her. Ich stoße ihn von mir, springe auf und versuche, die Tür zu schließen. Aber er greift nach mir und schiebt herein. Ich nehme alle meine Angst, Wut und Kraft zusammen, reiße die Tür erst an mich heran, sehe, wie sie den knorrigen Fingern dieses Monsters entgleitet, stoße ihn mit dem Fuß in den Gang und schwinge dann die Tür mit aller Gewalt zu, erhalte dabei einen fiesen Schlag gegen die Schläfe, taumle, sehe aber noch im Rückwärts-Fallen, wie die Tür endlich ins Schloss fällt und dieser Dämon ausgesperrt ist. Dann wird es schwarz.

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